Online-System oder Offline-System 2017-11-03T16:35:53+00:00

„Online-“ oder „Offline-System“ – und die perfekte Mischung aus beiden

Die Überprüfung der Zutrittsberechtigung erfolgt bei jedem elektronischen Schließsystem durch Auslesen der auf einem Identifikationsmedium vorhandenen Benutzerinformation und anschließendem Abgleich mit den in einem digitalen Schließzylinder gespeicherten Berechtigungen.
Wird ein Medium dabei als „berechtigt“ erkannt, gibt die Elektronik des Schließzylinders den Zugang frei. Das erfordert aber, dass der Schließzylinder das Medium zu jedem Zeitpunkt als „berechtigt“ oder „nicht berechtigt“ erkennen kann. Dazu muss die betreffende Information im Zylinder nicht nur vorhanden sondern vor allem auch aktuell sein.

Bei einem sogenannten „Offline-System“ arbeitet jede digitale Komponente autark. Die Änderung vergebener Zutrittsrechte für einen einzelnen Benutzers kann zwar zentral beim Verwalter der Anlage erfolgen aber bei Verlust eines einzelnen Mediums ist die Deaktivierung an jeder einzelnen Tür manuell vorzunehmen. Dieser Aufwand ist nur bei kleineren Anlagen akzeptabel.

Digitale Schließsysteme werden aber meistens in Umgebungen eingesetzt, wo die Zutrittsberechtigungen entweder häufigen Veränderungen unterliegen oder diese jeweils schnell geändert und die Änderung dann möglichst unmittelbar im gesamten Gebäude oder sogar gebäudeübergreifend gelten soll. Um diese Anforderungen überhaupt zu erfüllen und zudem komfortabel realisieren zu können, entstanden vollvernetzte Systeme. Alle Komponenten der Anlage sind untereinander entweder über die Gebäudeverkabelung oder über Funkverbindungen (WLAN-Technologie) vernetzt („Online-System“). Technisch und aus Sicht des Benutzers lässt dieses System keine Wünsche offen. Ein Nachteil ist der oft nicht unerhebliche Aufwand einer Vollvernetzung.

Um die Vorteile des vollvernetzten Systems dennoch in allen Gebäuden mit vertretbarem Aufwand nutzen zu können, entstand eine Mischform aus beiden Systemen, das Konzept des „virtuellen Systems“. Hier werden die jeweils aktuellen Berechtigungen bei jeder Benutzung eines Identifikationsmediums gelesen, aktualisiert und weiter verbreitet. Ein vernetzter Kartenleser am Gebäudeeingang beispielsweise aktualisiert die Medien der eintretenden Personen. Mit jeder Benutzung eines Mediums im Gebäude aktualisiert dieses den jeweiligen Zylinder. Die im Gebäude wie beim vollvernetzten System vorhandenen Funksender/-empfänger („Access-Points“) unterstützen die Aktualisierung der Daten ebenfalls. Die Funktion der „erzwungenen Validierung bei zeitlich begrenzter Gültigkeit eines Mediums“ wirkt als weiterer Beschleuniger der Aktualisierung und erhöht die Sicherzeit zusätzlich. Die aktuell eingesetzten Funksysteme unterstützen inzwischen nahezu alle verfügbaren RFID-Technologien und unterschiedlichen Standards. Das ermöglicht die (gleichzeitige) Verwendung unterschiedlicher Zutrittsmedien. In der Praxis hat sich auch bei den größten Anlagen das Konzept des „virtuellen Systems“ als ebenso zuverlässig erwiesen wie ein vollvernetztes Online-System, sodass es heute in den meisten Projekten umgesetzt wird.

Eine moderne Variante, bei der ein Smartphone die Funktion des Identifikationsmediums einnimmt, nutzt das Bluetooth- oder NFC- (Near Field Communication) Protokoll zur Kommunikation zwischen Handy und Digitalzylinder. Da derzeit (noch) nicht alle wichtigen Hersteller von Smartphones das NFC-Protokoll in geeigneter Weise unterstützen, bleibt die kommerzielle Verbreitung dieser Variante abzuwarten. Auf Bluetooth basierende Lösungen dagegen werden bereits sehr erfolgreich implementiert.

Durch eine andere, revolutionäre Technologie kann auf die Stromversorgung von Digitalzylinder und Identifikationsmedium komplett verzichtet werden. Basierend auf dem physikalischen Prinzip der Induktion erzeugt ein „Schlüssel“ (optisch einem mechanischen Schlüssel ähnlich) im Digitalzylinder ausreichend elektrische Energie, um den Datenabgleich zwischen Zylinder und Medium zu ermöglichen. Es sind dadurch keine Batterien mehr erforderlich, weder im Zylinder noch im Medium. Dadurch entfallen die sonst üblichen Batteriewechsel nach einigen Jahren und schonen die Umwelt. Die Produkte können dadurch auch bei extrem niedrigen Temperaturen im Außenbereich unbeschränkt eingesetzt werden.